Schock: Mein Bandscheibenvorfall.
Bis zum September 2006 führte ich ein äußerst dynamisches und gesundes Leben. Zumindest dachte ich das. Denn ich ernährte mich gesund, trieb viel Sport und hielt mich viel an der frischen Luft auf.
Heftige Schmerzen im unteren Rücken, die dann auch bis ins Bein ausstrahlten, ließen mich stutzig werden. Was ist denn jetzt los? Ich konnte mich nicht mehr hinsetzen und wenn ich es doch tat, dann wurden die Schmerzen beim Aufstehen so schlimm, dass mir fast schwindlig wurde. Die Diagnose war: zweifacher Bandscheibenvorfall im unteren Lendenwirbelsäulenbereich.
Und nun? Krankschreibung auf zunächst vier Wochen und der Beginn einer Reihe von konservativen Therapien: Physiotherapie, Elektrotherapie, Manuelle Therapie, Fango, Extensionsbehandlung, TENS-Gerät … sehr geholfen hat mir Nordic Walking als Behandlung, um meinen Fuß wieder normal bewegen zu können.
Zusätzlich ging ich ins Fitnessstudio, um meine Rückenmuskulatur zu stärken (obwohl ich doch als Sportlehrerin und zudem äußerst sportlicher Mensch über ein gutes Muskelkorsett verfüge). Ich stellte einen Antrag auf stationäre Rehabilitation und erhielt eine Ablehnung. Ja, so läuft das – erst mal wird alles abgelehnt. Ich ging weiterhin zweimal in der Woche zur konservativen Behandlung und es stellte sich endlich Besserung ein. Doch die Schmerzen gingen nie ganz weg.
Im Januar 2007 besserte sich mein Gesundheitszustand und ich wollte wieder zur Arbeit gehen. Doch dann wurden die Schmerzen wieder so schlimm, dass ich mich entschied ins Krankenhaus zu gehen, um mich vielleicht operieren zu lassen. Neurologen und Neurochirurgen waren sich uneinig: Die Neurologen würden ohne OP mit einer Schmerztherapie weiterbehandeln, die Neurochirurgen würden operieren.
Aufgrund meines Studiums wusste ich um die möglichen schnellen Behandlungserfolge durch eine OP, aber auch um die möglichen Spätfolgen durch unkontrollierten Narbenwuchs. Zudem stellt eine OP immer ein erhöhtes Risiko dar. Letztendlich entschied ich mich gegen eine Operation und wählte eine Schmerzbehandlung mittels periradikulärer Therapie (PRT, Behandlung der Nervenwurzel).
Nach 9 Wochen PRT-Behandlung, anderen Behandlungsstrategien, wie beispielsweise Osteopathie und Veränderungen in meinem Lebensstil, ging es immer weiter bergauf. Endlich!
Im Juni 2007 fuhr ich dann, nachdem ich noch mal einen Antrag auf stationäre Rehabilitation stellte, zur Reha nach Berggießhübel. Hier fand ich endlich Abstand zu den vielen Monaten mit Schmerz und Enttäuschung (denn obendrein hatte mir mein Arbeitgeber auf Grund meiner langen Krankheit statt Genesungswünschen eine Kündigung geschickt).
Es stellte sich nun die Frage: Wie geht es beruflich weiter? Es war fast eine logische Konsequenz, dass ich vom Suchtbereich, in welchem ich vorher tätig war, nun in den Orthopädischen/ Neurologischen Bereich wechseln wollte.
Eine Überlegung war: Selbständig machen und die Erfahrungen unters Volk bringen? Als Rückenschullehrerin die eigene Rückenerkrankung und die damit gemachten Erfahrungen nutzen? Ja, das war der neue Weg!
Und so machte ich aus der Not eine Tugend und wählte im Mai 2008 die freiberufliche Tätigkeit als Diplomsportlehrerin. Das wäre für mich vor der Rückenerkrankung nie in Frage gekommen. Selbständigkeit? Viel zu unsicher. Aber auch ein Angestelltenstatus schützt einen nicht vor Krankheit und Kündigung. Was gibt es also zu verlieren?
MEINE SCHMERZVOLLE ERKRANKUNG HAT MICH EINIGES GELEHRT:| 1.) | Man kann verzagen, die Welt verfluchen und immer deprimierter werden, ODER man versucht auch aus solchen schlimmen Erfahrungen Lehren zu ziehen. |
| 2.) | Alles hat seinen Sinn und wenn man nach vorne blickt kann man an solchen Situationen nur wachsen und stärker werden... |
| 3.) | Es gibt keine Sicherheiten im Leben, also nutze jeden Tag und erfreue Dich an den vielen Kleinigkeiten |
| 4.) | Und vielleicht die wichtigste Erkenntnis: Keiner kann sich so gut um Dich kümmern, wie Du selber! DU musst nur den Mut haben es zu tun! |

